Grenzbezüge

Recht – Unrecht
Der Richter überschreitet im Film bewusst die Grenze des Rechts. Denn indem er seine Nachbarn ausspioniert, begeht er Unrecht und verstößt gegen das Gesetz. Er versucht auch nicht, sein Handeln zu verheimlichen, denn selbst, als eine für ihn völlig Fremde Frau in seinem Haus auftaucht, stellt er sein Abhören nicht ein.

Valentine ist zunächst entsetzt, als sie dahinter kommt, dass der Richter seine Nachbarn belauscht. Sie kann für ihn nur Mitleid empfinden. Sie droht ihm, dass sie seine Nachbarn aufklärt, kann dieses jedoch nicht umsetzen. Somit geht sie einen Schritt auf den Richter zu und begeht somit Unrecht, denn sie macht sich des Mitwissens schuldig. Der Richter hingegen erkennt seinen Fehler und stellt sich der Polizei freiwillig. Somit geht er einen Schritt auf Valentine zu und begibt sich wieder ins Recht. Erst nachdem beide einen Schritt aufeinander zugegangen sind, gelingt es ihnen, sich anzufreunden und ihre jeweilige Einsamkeit zu durchbrechen.

Auch Auguste begeht Unrecht, obwohl er als Jurist quasi für das Recht steht. Er sieht unerlaubt durch das Fenster seiner Freundin, woraufhin er sie mit einem anderen Mann erwischt. Der Zuschauer sieht sich mit den Fragen konfrontiert: Ist es Recht oder Unrecht seinen Partner so auszuspionieren? Begeht die Freundin nicht ebenso Unrecht, weil sie ihn betrügt?

Zufall – Wille
War es Zufall, dass Valentine den Hund des Richters angefahren hat? Im Haus des Richters stehen alle Türen offen und der Richter hat sich mit nichts anderem beschäftigt, als mit dem Abhören von Fremden. Wie sollte sich der Hund also besser bemerkbar machen, als einfach davon zu laufen? Geradewegs vor Valentines Auto? Der Richter fühlte sich gefangen in seinem Handeln und konnte davon nicht mehr selbstständig loskommen. Das Einfachste war es, seinem Hund die Freiheit zu schenken, damit es wenigstens ihm gut geht. Er hat nicht damit gerechnet, dass der Hund angefahren wird, wollte ihn jedoch nicht wieder zurück nehmen, um seine Entscheidung nicht in Frage zu stellen. Erst als Valentine ein zweites Mal bei ihm ist, gelingt es ihm, kurz von seinen Geräten loszukommen. Der Hund hat ihm somit geholfen, seine erzwungene Einsamkeit zu durchbrechen. Unbewusst wollte der Richter also scheinbar, dass jemand zu ihm kommt, um ihm den Hund zurück zu bringen, denn er hatte dem Hund ein Halsband mit Namen und Adresse um den Hals gelegt. Es war also weniger Zufall, dass jemand zu ihm kam. -Dass es allerdings ausgerechnet Valentine war, damit konnte der Richter nicht rechnen.

Auch Valentine und Auguste begegnen sich immer wieder wie zufällig. Doch kann es Zufall sein, dass sich zwei Menschen so oft begegnen ohne einander wahr zu nehmen? Beide waren zu Beginn des Films so in ihrer eigenen Welt gefangen, dass sie außer sich selbst nicht viel wahrgenommen haben , so verwundert es nicht, das beide des Öfteren aneinander vorbei laufen oder nebeneinander stehen-, ohne dass es ihnen auffällt. Erst als Auguste das riesige Plakat von Valentine sieht, meint der Zuschauer, jetzt muss es doch klappen, jetzt muss er sie erkennen! Doch plötzlich begegnen sich beide nicht mehr wie zufällig. Erst als beide wieder auf der Fähre aufeinander treffen. Doch ist dieses letzte alles entscheidende Treffen wirklich Zufall? -Hatte der Richter nicht das Telefon von Augustes Ex-Freundin abgehört und somit erfahren, dass Auguste mit an Bord sein wird? -Und hatte nicht auch der Richter Valentine geraten mit der Fähre zu fahren?

Zwischen Auguste und dem Richter scheint eine unsichtbare Verbindung zu bestehen, die immer wieder in scheinbar zufälligen Ereignissen zum Vorschein kommt. So fällt Auguste zu Beginn des Films ein Buch herunter, auf dessen offener Seite er die wichtige Lösung in seiner Prüfung findet. Später im Film erzählt der Richter Valentine von einem Ereignis, zu dem ihm ein Buch vor einer Prüfung herunter fiel und der Inhalt der Seite ebenfalls in der Prüfung abgefragt wurde. Der Zuschauer erinnert sich an Auguste und fragt sich, kann das Zufall sein? Es gibt einige Situationen im Film, in denen man sich fragt, wie Auguste und der Richter in Verbindung zueinander stehen könnten, doch bis zum Ende wird dies nicht aufgeklärt. -Es scheint als würde sich das Leben des Richters in dem von Auguste widerspiegeln.