Mise-en-Szene

Farbe
Wie der Filmtitel schon verrät, ist die dominierende Farbe im Film Rot. Die Farbe steht dabei für das französische Ideal der Brüderlichkeit, oder im übertragenen Sinne, der Zusammengehörigkeit. So trägt zum Beispiel der Hund Rita, welcher als eine Art Magnet zwischen Valentine und dem Richter fungiert, ein rotes Halsband und eine rote Leine. 
Außerdem scheint Rot die einzige wirkliche Farbe im Film zu sein, alles andere erscheint entweder braun oder grau. Die Farben wirken abgeschwächt und verschleiert, wohingegen das Rot im Film eher besonders hervorsticht und beinahe leuchtet.
Zu Beginn findet man viele kleinere rote Dinge, zum Beispiel in Valentines Wohnung. Ihren Höhepunkt findet die Farbe dann wohl in der Schlüsselszene zwischen
Valentine und dem Richter in dem Theater, wo beinahe nahezu alles rot leuchtet. Dadurch wird gezeigt, dass beide unwiderruflich zusammen gehören.
Auch das leuchtend rote Auto von Auguste suggeriert dem Zuschauer, dass er eine wichtige Schlüsselrolle inne hat, welche allerdings erst gegen Ende des Films aufgeklärt wird.
Kamera
Auffällig in diesem Film sind die immer wieder auftretenden Kamerafahrten. In Bezug auf den Inhalt wird schnell klar, dass der Zuschauer selber auch zum Spion gemacht wird, denn durch das ständige Verfolgen der Protagonisten durch die Kamera fühlt man sich selbst als würde man sie verfolgen. Die Kamera gibt dem Zuschauer nicht die Möglichkeit, vor der Tür stehen zu bleiben, sondern geht von einer in die andere Wohnung, wie es des Öfteren bei Valentine und Auguste der Fall ist.
Auch auffällig sind die häufig auftretenden großen Detailaufnahmen, wie zum Beispiel die Aufnahme des Kaffes im Theater, oder der Moment, in dem Valentine den Hund ins Auto trägt. Dadurch wird beim Publikum das Gefühl geweckt, selber dabei zu sein, und die Geschichte hautnah mit zu erleben.
Kieślowski arbeitet in dem Film ohne Blenden, was die Schnitte sehr hart wirken lässt.
Licht

Das Licht im Film ist natürlich gehalten. Der Film wirkt zwar an manchen Stellen recht düster, doch das liegt daran, dass absolute keine anderen kräftigen Farben außer Rot auftreten, so
dass dann alles andere braun, grau oder schwarz wirkt. Das lässt natürlich alles etwas dunkel wirken. An anderen Stellen wird sehr stark mit dem Sonnenlicht gespielt, so scheint sie zum Bespiel in Valentines Gesicht zu tanzen, als sie zu dem Richter fährt.
Insgesamt wirkt der Film eher dunkel, kräftige Farben fehlen, was natürlich von Kieślowski beabsichtigt ist, um nicht vom Thema der Brüderlichkeit abzulenken.
Muster

Das wichtigste Muster in diesem Film ist natürlich die Farbe Rot. Als Titelgebende Farbe sticht sie besonders hervor. Ihren Höhepunkt findet sie in dem Augenblick als Valentine ihren großen Auftritt in der Modenshow im Theater hat. Der gesamte Theatersaal scheint rot zu leuchten, und der Zuschauer versteht schnell, dass zwischen Valentine und dem Richter eine unzertrennliche Verbindung besteht und beide es endlich geschafft haben, aus ihrer Isolation auszubrechen und sich einem anderen Menschen zu öffnen. Die Brüderlichkeit, die im Film Ausdruck finden soll, erreicht hier ihren Höhepunkt.

Ein weiteres Muster, sind die auffällig oft auftretenden Kamerafahrten zum Beispiel von Valentines Wohnung raus auf die Straße zu August, oder von einer Wohnung in die nächste. Kieślowski reißt den Zuschauer so mitten hinein ins Geschehen. Er sieht nicht aus Valentines Sicht zu, sondern vielmehr fühlt dieser sich, als würde er direkt mit im Geschehen sein und die Protagonisten ausspionieren oder verfolgen, ähnlich wie auch der Richter seine Nachbarn belauscht.

Ebenfalls ein Muster, sind die sich ständig wiederholenden Schauplätze im Film. Als Valentine zum Beispiel zum zweiten Mal zum Richter fährt, erkennt der Zuschauer die gebogene Straße sofort wieder und weiß schon, bevor sie ankommt genau, wo sie hin fährt. Ähnlich ist es in der Straße, in der Valentine und Auguste wohnen, oder in dem Haus von Augustes Freundin. Dies steigert das Gefühl des selber -Miterlebens beim Zuschauer, denn alles scheint einem bekannt vor zu kommen.

Ein sehr wichtiges Muster, in dem Film sind die ständig klingelnden Telefone. So gelingt es Valentines zum Beispiel zu Beginn des Films nur mittels des Telefons, wirklich Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen (z.B. ihr Freund, Mutter usw.). Auch Auguste greift immer zuerst zum Telefon, bevor er zu seiner Freundin fährt. Ganz deutlich wird dies jedoch beim Richter, dessen gesamter Lebensinhalt am Anfang des Films nur darin besteht, seine Nachbarn beim Telefonieren zu belauschen. Erst im weiteren Verlauf mit der Entwicklung der Freundschaft zwischen Valentines
und dem Richter nimmt die Bedeutung des Telefons für alle immer mehr ab.
Ebenfalls ein Muster in diesem Film, sind die Erzählungen, beziehungsweise Erinnerungen des Richters. So erzählt dieser zum Beispiel von dem Buch, welches ihm vor der Prüfung runter-fiel und im Verlauf des Films sieht man, wie Auguste ebenfalls ein Buch vor der Prüfung herunter fällt. Oder der Richter erzählt, dass er von seiner Frau betrogen wurde und er sie dabei erwischt hat und später erwischt auch Auguste seine Frau mit einem anderen Mann. So wird dem Zuschauer nach und nach klar, dass Auguste mehr oder weniger eine jüngere Version des Richters zu sein scheint.

Das riesige Rote Plakat, auf dem Valentine abgebildet ist und das an der vielbefahrenen Kreuzung bei Valentines Wohnung hängt, ist ein weiteres Muster. Auguste sieht sie auf dem Plakat zum ersten Mal wirklich, obwohl sie ihm vorher schon hundert Mal über den Weg gelaufen ist. Und auch der Richter muss später im Film an dieser Kreuzung anhalten und das Plakat ansehen, wodurch er den ganzen Verkehr aufhält. So schafft das Plakat unbewusst immer wieder eine Verbindung zwischen den Protagonisten. Erst zum Ende des Films hin wird das Plakat abgenommen, was darauf hindeutet, dass ein Wendepunkt in der Handlung stattfand und die Protagonisten einander kennengelernt haben, und das Plakat nicht mehr benötigt wird.
Musik
Die Musik ist in „Rot“ wurde von Zbigniew Preisner komponiert, dessen Künstlername Van den Budenmeyer ist. Die Musik ist in jedoch nur am Rand von Bedeutung, da sie alle drei Filme miteinander verbindet. Zbigniew Preisner hat ebenfalls die Musik aus „Blau“ und „Weiß“ komponiert. Van den Budenmayer taucht eher unterschwellig im Film auf, zum Beispiel wo das Cover seiner Schallplatte beim Richter liegend zu sehen ist, oder Valentine eine CD von ihm kaufen möchte. Eine Szene, in der die Musik förmlich hervorsticht, ist die Szene der Modenshow im Theater, in diesem Momentallerdings eher untypisch für die Musik im Film.
Setting
Der gesamte Film spielt in Genf in der Schweiz. Man findet im Film sowohl Innen wie auch Außenaufnahmen, wobei es immer so wirkt, als wäre man selber vor Ort und sieht was geschieht. Die Schauplätze wiederholen sich des Öfteren, so dass man gegen Ende des Films meist schon genau weiß, wohin Valentine fährt -, oder wo Auguste sich gerade aufhält, ohne dass man je dort war.
