Mise-en-Szene
Der Film Weiß ist so verschieden von Blau wie die Farbe Weiß von der Farbe Blau und die Stadt Warschau von der Stadt Paris. Weiß ist eine schwarze Komödie. Eine schwarze Komödie mit einem Happy End, denn die Liebe triumphiert…
Farbe + Licht

Die paradoxerweise dominante Farbe des Films ist schwarz. Doch auch die Farbe Weiß wird von Kieslowski und seinem Kameramann gekonnt in Szene gesetzt. Es wird viel mit Unterbelichtung und den natürlichen Lichteinflüssen gespielt. Gerade weil die Farbe Schwarz den Film durchzieht, ist es ein perfekter Gegensatz zu Weiß und lässt sie daher so hervorstechen. „Weiß ist die Farbe, die sich am schwierigsten filmen lässt, da man Weiß nicht fotografieren kann. Es ist keine fotogene Farbe. Es ist keine Farbe, eher ein Mangel an Farbe. Hier ist Weiß keine Farbe mit dem gleichen dramatischen Effekt, wie in den Filmen „Blau“ und „Rot“. Der Schnee ist ein rein dekoratives Element.“ (Kieslowski)

Weiß dargestellt sind oft Szenen, die dem Hauptprotagonisten Karol Freude und Hoffnung versprechen. Ein Beispiel dafür ist der Flashback zur Hochzeit. Hier sind Karol und Dominique sehr glücklich und beginnen ein neues Leben zu zweit. Es wird gezeigt, wie Dominique einen dunklen Gang entlang auf eine geöffnete Tür zugeht, wodurch sehr weißes Tageslicht hineinströmt.
Als sie durch die Tür nach Draußen tritt, fühlt man sich wie in einem wunderschönen Traum, da man in dieses schimmernd weiße Licht getaucht ist, aus dem man schnell zurück in die kalte dunkle Realität geholt wird, als es mit der Gerichtsverhandlung weiter geht.
Eine weitere bedeutende Szene ist, als Karol und Mikolaj über einen zugefrorenen See schlittern und so glücklich sind wie nach dem Abitur. Beide sind betrunken und sehr glücklich, dass Mikolaj nun doch am Leben bleiben will.
Nach der inszenierten Beerdigung schlafen Karol und Dominique miteinander. Der Höhepunkt wird von schwarz zu weiß und wieder zu schwarz überblendet, wobei Dominique bei weiß wie in Extase schreit.
Am Ende lässt Kieslowski den Anwalt von Karol auf die Art der filmischen Umsetzung anspielen: “Er sieht ein Licht am Ende des Tunnels“.

Das Licht wird gekonnt vom Kameramann Edward Klosinski eingefangen und genutzt. Es wirkt alles sehr natürlich und echt, wodurch er einem Dokumentarfilm ähnelt. Die Szenen werden nicht durch künstliches Licht verbessert, sondern sollen dem Zuschauer einen reellen und wahrheitsgemäßen Eindruck der Situation vermitteln. Dabei ist den Produzenten der Weißableich sehr gelungen, und auch die Schwarzflächen, welche von großer Wichtigkeit sind, gehen stufenlos ineinander über.
Kamera

Auffällig ist, dass es in dem Film kaum Szenen mit Menschenmengen gibt. Meist sind nicht mehr als 2 bis 3 Personen im Bild zu sehen. Kieslowski sagt selber, dass es für ihn ein Hindernis sei, wenn er Szenen mit Menschenmengen drehe oder schneide, da er dann sehr wahrscheinlich nicht alles genau kontrollieren kann.
Der Film ist durchweg geprägt von Nahaufnahmen der Protagonisten. Diese vergrößern die Intimität der Szenen und ermöglichen dem Zuschauer jede Emotion der Protagonisten wahrzunehmen.

Somit gibt es nur einige wenige Aufnahmen aus dem Weitwinkel, welche einen Überblick über die Gesamtsituation geben. Zu nennen ist hier eine kurze Einstellung im Gericht, in welcher der Zuschauer von oben auf alle Beteiligten im Gericht blicken kann. Im Gegensatz dazu steht der Flashback, wo das geschehen der Hochzeit über die Schulter von Dominique gefilmt wurde und der Zuschauer somit direkt am Geschehen beteiligt zu sein scheint.
Die Kameraführung ist sehr ruhig, fast fotografisch, was darauf schließen lässt, dass viel mit Stativ und Kamerawagen gearbeitet wurde und weniger mit der Handkamera. Weiterhin fällt auf, dass der Kamerastil sehr hart ist, fast wie bei einem Fernsehfilm. Dadurch gelingt es dem Kameramann Edward Klosinski hervorragend, die Ungleichheit und das Streben nach etwas besserem darzustellen.
Setting
Der Film spielt zunächst in der Stadt Paris, was aber nicht deutlich dargestellt wird, da man keine typischen Bilder aus Paris sieht, wie zum Beispiel den Eiffelturm oder sonstige Sehenswürdigkeiten.

Im weiteren Verlauf fliegt der Hauptcharakter Karol zurück in seine Heimat, das postkommunistische Polen. Dort lebt er bei seinem Bruder am Rande der Stadt Warschau. Auch hier findet der Zuschauer keine typischen Sehenswürdigkeiten der Stadt, lediglich eine Weitwinkelaufnahme von auf die Uferpromenade der Weichsel von Warschau. „Eines der Themen des Films ist das Gute an Warschau – es herrscht dort eine Ungeduld, ein aggressives Verlangen reich zu werden, um jeden Preis zu gewinnen, materiellen Besitz anzusammeln. In Warschau ist das am deutlichsten zu beobachten. Es ist ein richtiger Wirbelwind. Die Luft vibriert regelrecht, und dieses Verlangen versetzt die Menschen in helle Aufregung.“ (Kieslowski)
Innenaufnahmen und Außenaufnahmen sind im Film gleichmäßig verteilt, doch wirken die Settings in der Regel etwas bedrückend, da man als Zuschauer so nah am Geschehen ist, durch die detaillierte, fast dokumentative Art des Films. Natürlich wird das auch durch die vielen Nahaufnahmen unterstrichen.
Kaum ein Ereignis wird nur auf eine Art dargestellt, so verhält es sich auch mit den Schauplätzen. Diese sind nicht fortwährend die gleichen, daher ist es meist schwierig für den Zuschauer nachzuvollziehen, wo die Charaktere sich gerade befinden.
Musik

Die im Film verwendete Musik stammt von Zbigniew Preisner, der das Pseudonym Van den Budenmayer trägt, welche passend für den Film komponiert wurde. Die Musik gibt den Szenen ihre gewisse Atmosphäre und unterstreicht die Gefühle der Protagonisten hervorragend. Die Musik im Film ist sehr vielseitig, zum einen ist sie dramatisch, als Karol sich auf macht in die Metro um jemandem den Wunsch zu erfüllen, aus dem Leben zu treten. Fröhlich ist die Musik am nächsten Morgen, nachdem Karol und Dominique miteinander geschlafen haben. Aber auch traurige, bedrückende oder nachdenkliche Musik, wird im Film verwendet.
Ein besonderer Aspekt der Musik ist, dass der Hauptprotagonist Karol auf seinem Kamm die Musik bläst, wie auf einer Mundharmonika. So sitzt er zum Beispiel nach dem Rausschmiss von Dominique in den Gängen der Pariser Metro und bläst Heimatmelodien um sich ein wenig Geld zu erbetteln. Durch diese Melodien wird Mikolaj auf ihn aufmerksam und spricht ihn an. Ein weiteres Mal zückt er seinen Kamm, als er mit Mikolaj die neuen Büroräume der gemeinsamen Firma besichtigt.
Muster
Karol sieht die Büste in einem Schaufenster der Pariser Metro nachdem er von Dominique rausgeschmissen wurde. Er ist sofort fasziniert und starrt sie an. Bevor Mikolaj ihn zurück nach Polen schmuggelt, stielt er sie und nimmt sie mit sich.

Für Karol ist sie so eine Art Abbild von Dominique, wodurch sie ihm immer noch Nahe ist, auch in Polen. In einer Szene küsst Karol diese Büste sogar, als er französisch lernt, abschweift und die Büste anstarrt, da er an Dominique denken muss. Diese Büste taucht fortwährend im Film auf.
Karol ist Friseur und hat daher immer seinen Kamm und eine Schere bei sich. Der Kamm bedeutet ihm sehr viel, da er sein Können und beruflichen Erfolg symbolisiert. Weiterhin ist es für ihn ein Musikinstrument, welches Karol leidenschaftlich gut beherrscht. In der Pariser Metro versucht Karol damit ein wenig Geld zu erbetteln, damit er nach der Scheidung und dem Rausschmiss überleben kann. Seine Gemütslage lässt sich über die Musik definieren, die er spielt.

Ein weiteres Muster stellt die 2 Francs Münze von Karol dar. Diese fordert er sich bei einem Angestellten der Pariser Metro ein, da dort eine Telefonzelle seine 2 Francs nach einem Telefongespräch mit Dominique einbehalten hat. Diese Münze ist wie ein Talisman für Karol und erinnert ihn an die Demütigungen und Erniedrigungen in Frankreich.
Sie zieht sich durch den ganzen Film und meist hält Karol sie in der Hand, wenn er nachdenkt. Bei den Vorbereitungen zu seinem Tod, wirft er sie mit in den Sarg der gekauften Leiche.